On the road – Perth to Pinnacles


Jetzt bin ich also unterwegs. Nachdem alle Formalitäten in Perth erledigt waren, habe ich tatsächlich direkt am Dienstag eine Mitfahrgelegenheit Richtung Exmouth im Norden gefunden. Zwei echte Australierinnen – Amanda und Denise – eine frisch getrennt von Ihrem Freund, um ihren neuen Job anzutreten, die andere in den Semesterferien. Freunde besuchen und Westaustralien, nein, die westaustralische Küstenregion kennenlernen. Noch am Dienstag lagen also knapp über 1200 km Strecke vor uns. Vielleicht betrachten wir einfach kurz gemeinsam die Karte: Ausgangspunkt also inzwischen allseits bekannt, Perth. Und nach Norden soll es gehen, weil die Temperaturen hier grade etwas zu wünschen übrig lassen. Kann ja nicht sein, dass zuhause die ganze Nation unter der Hitzwelle ächzt und ich in der angeblich sonnigsten Stadt Australiens friere. Also ab in den Norden. Die nächst”größere” Stadt auf der Karte wäre Geraldton. Wobei hier direkt “größer” und “Stadt” zu streichen wäre.


Größere Kartenansicht
(Grade dröhnt aus unerfindlichen Gründen Bon Jovis “it’s my life” in “Lautstärke 100″ aus den Holden-Boxen. Inklusive Mitsingen. Ja, ich weiss. Aber wir sind weit weg vom nächsten Roadhouse – ok, ist überstanden. Wo war ich)
Western Australia, auf dessen Fläche England und Frankreich aneinander vorbeilaufen könnten, ohne sich zu sehen, beherbergt ca. 2 Millionen Einwohner. 1,5 Millionen davon leben in Perth. Da bleibt für die restlichen 500.000 pro Kopf … ne ganze Menge Platz. Die so genannten Städte, denen man also auf dem Weg begegnet sind keine. Nur größer gedruckte Ortsnamen auf der Landkarte, Das ist nicht schlimm, nur verwirrend.
Mir ging das ja so: Olaf, schauen wir uns doch mal die Karte an. (Selbstgespräch) Was haben wir denn da. Mh, komisch. So leer sieht das doch garnicht aus. Da ist doch überall was. Sollte  nicht so kompliziert sein, da von Ort zu Ort zu kommen.
Hätte mir wahrscheinlich den Maßstab und die Legende näher betrachten sollen. Aber ich glaube, selbst dann fällt es schwer, sich die Dimensionen vor Augen zu halten. Gestern war da so ein Streckenabschnitt zwischen Kalbarri und dem nächsten Roadhouse – knappe 230 km – auf denen war nix. Ich spreche also von der Strecke Frankfurt-Kassel, ohne die Möglichkeit zu tanken. Aber eben nicht, weil da keine Tankstelle am Straßenrand liegt, sondern weil da einfach garnichts am Straßenrand liegt.  (Amanda hat glücklicherweise zwei 20 Liter Kanister Diesel im Kofferraum – hab dann nachgefüllt. So um 20.00 Uhr Ortszeit. Um diese Zeit ist es hier schon stockdunkel und unglaublich ruhig. “Filling up gas, countrystyle” waren ihre Worte.)
So sind wir also unterwegs. Erster Stop waren die Pinnacles. Das sind folgende:

Pinnacles (WA)
Bis heute weiss keiner, warum die da stehen und aus was sie sind. Für mich sahen sie relativ eindeutig nach versteinerten Baumstümpfen aus, aber wenn die Wissenschaft nicht weiss, was sie damit anfangen soll, will ich denen da mal nicht reinreden.
Kurz davor – also so um die 100km vorher – bin ich zum Fahrer gewählt worden.
Wir erinnern uns. Australien ist wie England. Hier wird links gefahren. Das hab ich dann auch direkt nochmal lautstark mitgeteilt bekommen, als ich beim ersten mal rechts abbiegen auf die rechte Spur abgebogen bin. War zum Glück kein Gegenverkehr. Schalten mit links ist übrigens auch komisch. Wenigstens sind Gas, Kupplung und Bremse verteilt wie in Deutschland. Und da man ja relativ viel geradeaus fährt in diesem Land, war das mit dem rechts abbiegen auch kein weiter großes Problem.
Völlig ohne Gegenverkehr ging dann die Car-Route durch die Pinnacles. Ich meinte dann auch völlig unbedarft zu Amanda: “Cool, offroad!” Das hat ihr allerdings mehr ein Müdes als ein Lächeln entlockt. Später sind wir dann – auf dem weg in den Ningaloo National-Park über eine Unsealed Road gefahren. Da hab ich dann nochmal vorsichtig angefragt, ob das jetzt “Offroad” sei.
“Wenn ich den 4WD einschalte – dann kannst du mich nochmal fragen, ob wir offroad sind.” Kam aber nicht mehr vor. Also hab ich auch nicht weiter gefragt…
In Zukunft, wenn ich die Geschichte erzähle, wird es allerdings immer meine erste Offroad-Fahrt gewesen sein. In Australien. Durch die Wüste.
Nachts durfte ich übrigens nicht fahren. Wegen der “Roos”. Aber dazu kommen wir dann nächstes mal.

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