Vor einem Jahr, am 21.7.2009 habe ich das Visum für Australien beantragt. “Kann bis zu zwei Wochen dauern, bis der Antrag durch ist”, war die Ansage. Knappe zwei Stunden haben sie bei mir gebraucht. “You are now eligible to travel to Australia”. Ich hätte mir also auch gut und gerne noch ein bisschen mehr Zeit lassen können. Aber da ich vorher nicht mit der unglaublichen Geschwindigkeit der Aussies rechnen konnte und die letzte Chance nur bis Geburtstag No. 31 bestand.
Aber vorerst sollte die Aktion eine reine Absicherung sein. Der Ärger, die letzte Möglichkeit ungenutzt verstreichen zu lassen, wäre zu groß gewesen. Und so lag dann auch das Visum ganze zehn Monate unbeachtet im Schrank. Mental und beim Sachen suchen immer mal wieder drüber stolpernd, aber im Endeffekt doch mehr eine Jahreskarte, die nie kontrolliert wird.
Bis vor zwei Monaten dann. Und wie in den meisten Fällen: Die größten Entscheidungen werden bei einem Bier getroffen. Der Tropfen ins oberflächengespannte Fass kam von @muhlix. Kurz vor ihrer Abreise auf den roten Kontinent nochmal zu Besuch in Darmstadt hat sie von Spannung, Aufregung und Vorbereitungszeit erzählt und mich nachdenken gemacht. Am letzten Arbeitstag hat es dann ein Kollege ganz gut zusammengefasst: “Nochmal resetten, eichen und dann ganz neu aufstellen.” Ich glaube, das trifft es ganz gut. Und nach über vier Jahren im Job war es auch einfach Zeit.
Und dann war einiges zu erledigen in zwei Monaten. Job, Wohnung und Mukkibude kündigen waren dabei wahrscheinlich noch die kleinsten ToDo’s. Tendenziell habe ich mein komplettes Leben in Darmstadt und Deutschland nicht nur auf Eis gelegt, sondern tatsächlich aufgelöst. Dazu aber an anderer Stelle später noch mehr. Denn was alles dazugehört, den Alltag und das Gewohnte hinter sich zu lassen – und wie viel Bürokratie das mit sich bringt – will ich gerne noch detaillierter und mit vielen hilfreichen Links angefüttert hier posten.
Und jetzt sind es also noch 13 Stunden, bis der Flieger abhebt. Grade lässt die Nervosität etwas nach. Das Niederschreiben und Reflektieren hat doch tatsächlich etwas katharsisches. Aber ich will mal nicht übermütig werden. Morgen beim Aufstehen werde ich mit Sicherheit total entspannt und gemütlich frühstücken und mich dann gepflegt übergeben.
Falls ich mich noch nicht bei allen bedankt habe: Ich hatte eine tolle Abschiedsparty und hab mich sehr über mein Abschiedgeschenk (komplett und hoffentlich sinnvoll aufgebraucht
und die netten Worte von allen Kollegen gefreut! Dankedankedanke!
Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings doch noch. Halbfinale. Deutschland – Spanien. Und ich sitz im Flieger. So.ein.Schrott. Na gut. Dann eben das Finale in Perth. Nachts um halb drei bei circa 6 Grad Celsius. Ich werd mich warm trinken. Ich hoffe, ihr denkt an mich. Ich auf jeden Fall an euch!
#1 by muhlix on 6 July 2010 - 11:36 pm
Da bin ich ja stolz drauf, dass ich das Fass zum Überlaufen gebracht habe.
Viel Spaß in Australien! Du machst das! Mal schauen, ob man dich in einem Jahr überhaupt wieder in Deutschland sieht.
#2 by olarized on 7 July 2010 - 12:57 am
nen kurzen zwischenstopp werde ich schon machen. und um dich zu treffen muss ich ja dann wahrscheinlich auch eher weiter nördlich schauen